Zwischen Medienkritik und Geschichtsstreit: Gabriele Krone-Schmalz stellt die Frage nach der Macht politischer Narrative!.TA
Die Journalistin und Russlandkennerin Gabriele Krone-Schmalz stellt in einer viel diskutierten Rede die Frage, wie politische Feindbilder entstehen und welche Rolle Medien dabei spielen. Im Zentrum ihrer Argumentation stehen Russland, der Ukrainekrieg, journalistische Verantwortung und die Bedeutung pluralistischer Information.
Bildhinweis: Gabriele Krone-Schmalz bei einem öffentlichen Auftritt; Ursula von der Leyen, offizielle Aufnahme der Europäischen Kommission. Quellen: Gdanska/Literaturhaus, Europäische Kommission.
Krone-Schmalz kritisiert insbesondere eine Entwicklung, die sie als Übergang vom klassischen Journalismus zu einem „Haltungsjournalismus“ beschreibt. Journalisten sollten ihrer Auffassung nach nicht festlegen, welche politische Position richtig oder falsch sei.
Ihre Argumentation beginnt mit einem grundsätzlichen Verständnis demokratischer Öffentlichkeit. Burger seien auf Informationen angewiesen, um politische Entscheidungen selbst treffen zu können. Daraus leitet sie eine besondere Verantwortung der Medien gegenuber ihrem Publikum ab.
Nach ihrer Darstellung sollte journalistische Arbeit deshalb verschiedene Perspektiven sichtbar machen, Argumente uberprufen und politische Vorgänge möglichst unabhängig von den eigenen Überzeugungen erklären. Eine moralische Einordnung könne dagegen die Wahrnehmung konkurrierender Positionen beeinflussen.
Besonders kritisch sieht Krone-Schmalz die Verwendung von Feindbildern. Sie argumentiert, politische Akteure könnten Ängste und Bedrohungsszenarien nutzen, um bestimmte politische Entscheidungen leichter zu vermitteln. Als Beispiel nennt sie die Darstellung Russlands als unmittelbare Bedrohung fur Europa.
Dabei verweist sie auf Formulierungen wie die Behauptung, die Freiheit Europas werde in der Ukraine verteidigt. Krone-Schmalz stellt diese Aussage infrage und vergleicht sie mit fruheren politischen Begrundungen militärischer Einsätze, etwa der Formulierung uber die Verteidigung der Freiheit am Hindukusch.
Ein wesentlicher Punkt ihrer Rede betrifft damit die Grenze zwischen Information und politischer Überzeugungsarbeit. Journalisten seien nach ihrem Verständnis keine politischen Akteure und auch keine Instanz, die Burger auf einen bestimmten gesellschaftlichen oder außenpolitischen „richtigen Weg“ fuhren solle.
Der Streit um den Journalismus

Diese Position ist zugleich eine grundsätzliche Aussage uber demokratische Öffentlichkeit. Krone-Schmalz betont, dass unterschiedliche Bewertungen politischer Vorgänge innerhalb einer Demokratie möglich sein mussten. Entscheidend sei, dass Burger Zugang zu ausreichend unterschiedlichen Informationen erhielten.
Ihre Kritik richtet sich deshalb nicht grundsätzlich gegen journalistische Haltung, sondern gegen eine Haltung, die nach ihrer Darstellung zur Parteinahme in politischen Auseinandersetzungen fuhrt. Journalismus musse zwischen persönlichen Überzeugungen und professioneller Berichterstattung unterscheiden.
Als problematisch beschreibt sie zudem die moralische Aufladung politischer Argumente. Wenn eine Position von vornherein als moralisch legitim und die Gegenposition als illegitim dargestellt werde, könne das Publikum die Argumente nicht mehr unabhängig miteinander vergleichen.
Anschließend nennt Krone-Schmalz mehrere Beispiele, mit denen sie ihre These uber die Entstehung politischer Narrative illustrieren möchte. Eines davon betrifft den Flug von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach Bulgarien im August 2025.
Das Göring-Zitat und seine heutige Verwendung
Besonders weitreichend wird die Argumentation am Ende des Transkripts, als Krone-Schmalz beziehungsweise der Sprecher des Videos ein Zitat Hermann Görings aus dem Jahr 1946 heranzieht. Es soll zeigen, wie politische Fuhrung und gesellschaftliche Ängste miteinander verbunden werden können.
Die historische Quelle des Zitats ist Gustave Gilberts „Nuremberg Diary“. Nach den verfugbaren Quellen äußerte Göring die entsprechenden Gedanken am 18. April 1946 während eines Gesprächs in seiner Gefängniszelle gegenuber dem Psychologen Gilbert. Es handelte sich nicht um eine Aussage vor dem Nurnberger Gericht selbst.
Gerade diese Unterscheidung ist fur eine seriöse historische Einordnung wichtig. Das Zitat lässt sich als zeitgenössische Äußerung eines fuhrenden Nationalsozialisten dokumentieren; daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass heutige demokratische Gesellschaften mit der politischen Situation des nationalsozialistischen Deutschlands gleichzusetzen wären.
Der Videokommentar geht daruber hinaus und stellt einen direkten Zusammenhang zwischen Görings Aussage und heutigen Debatten uber Russland, Krieg und gesellschaftliche Mobilisierung her. Diese Übertragung ist eine politische Interpretation und sollte entsprechend als solche gekennzeichnet werden.
Der Kern der Rede von Krone-Schmalz liegt letztlich weniger in einzelnen historischen Beispielen als in einer grundsätzlichen Frage: Wie kann eine demokratische Gesellschaft verhindern, dass politische Kommunikation die Fähigkeit der Burger zur eigenständigen Urteilsbildung einschränkt?

Dabei steht die Medienkritik im Mittelpunkt. Krone-Schmalz fordert Journalisten auf, unterschiedliche Perspektiven zu berucksichtigen, Behauptungen zu uberprufen und zwischen Fakten, Bewertungen und politischen Interessen zu unterscheiden.
en Medien in einer Zeit, in der internationale Konflikte, Sicherheitsfragen und politische Polarisierung immer stärker miteinander verbunden werden?
Krone-Schmalz beantwortet diese Frage mit einem klaren Plädoyer fur journalistische Zuruckhaltung und möglichst umfassende Information. Ob man ihrer Interpretation einzelner internationaler Konflikte folgt, ist davon getrennt zu betrachten. Entscheidend bleibt, welche Aussagen durch uberprufbare Quellen gestutzt werden.
Gerade deshalb zeigt die Debatte, wie wichtig eine präzise Trennung zwischen belegten Ereignissen, journalistischer Einordnung und politischer Interpretation ist. Die Diskussion uber Feindbilder, Medienverantwortung und die Darstellung internationaler Konflikte durfte damit keineswegs abgeschlossen sein.

