Altbundespräsident Joachim Gauck hat bei „Markus Lanz“ die AfD frontal angegriffen und der Partei unterstellt, von „autoritärer Führerschaft“ zu träumen. Ein Bündnis zwischen Linken und Union schloss er dabei nicht aus, um einen AfD-Ministerpräsidenten zu verhindern.

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hat in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ die AfD und deren Wähler teilweise mit scharfen Worten kritisiert. Es gebe „unter denen Irre und Faschisten“, vorwiegend seien es jedoch „verunsicherte Menschen, die sich fragen: Wo bleibe ich in einer Welt, die sich so dynamisch verändert, dass ich Existenzängste habe?“, so Gauck.
Nationalpopulisten pauschal als Faschisten zu bezeichnen, „da greifen sie wirklich total daneben“. Dabei, so Gauck, lohne sich ein Blick auf Länder wie die Schweiz oder die skandinavischen Staaten, wo sich ein ähnlicher Prozess wie in den ostdeutschen Bundesländern beobachten lasse und Menschen ebenfalls populistische Parteien wählten, stellte Gauck fest.
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Auf die Nachfrage von Lanz, ob Gauck also Verständnis für AfD-Wähler habe, verneinte dieser dies entschieden. „Die Menschen, die dorthin flüchten, befinden sich auf einem Irrweg.“ Für ihn und seine Freunde sei es unmöglich, diese Partei zu wählen, verdeutlichte Gauck – „weil sie kontaminiert ist. Mit einem alten Denken und einem Grundverdacht gegenüber unserer offenen Gesellschaft.“ Deshalb habe er kein Verständnis für die politischen Ziele der AfD.
Um den Menschen klarzumachen, dass die liberale Moderne und die offene Gesellschaft „der geeignete Weg“ für alle seien, brauche es mehr „argumentativen Eifer“, so Gauck. Zudem schlug er vor, den Reden von AfD-Chefin Alice Weidel genauer zuzuhören. Wenn sie etwa in Ungarn bei der CPAC „dem Orban zujubelt (…), dann sehen wir, was auf uns zukommt. Wenn wir die Programme dieser Parteien angucken, sehen wir es nicht. Aber sie träumen eigentlich von einer autoritären Führerschaft“, erklärte Gauck.
Der 86-Jährige sprach sich zudem gegen eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt aus. Zugleich wollte Gauck ein Bündnis zwischen Union und Linkspartei nicht ausschließen. Vom Begriff der „Brandmauer“ distanzierte er sich jedoch. Stattdessen sprach er sich für das Bild einer gesicherten Grenze aus, die klare Abgrenzungen ermögliche und zugleich kontrollierte Übergänge zulasse.

