đ„ ERSTER GEMEINSAMER ANTRAG VON AfD UND BSW ANGENOMMEN! â SACHSEN-ANHALT STREITET ĂBER WAFFENLIEFERUNGEN UND RUSSLTAAND-SANKTIONEN.TA
Ein politisches Signal aus Magdeburg sorgt bundesweit fur Diskussionen: Am 14. Oktober 2026 nahm der Landtag von Sachsen-Anhalt erstmals einen gemeinsamen Antrag von AfD und BSW an. Im Mittelpunkt steht eine Forderung, die weit uber die Landespolitik hinausreicht: Waffenlieferungen an die Ukraine sollen ausgesetzt, nicht humanitÀre Finanzhilfen beendet und die Wirtschaftssanktionen gegen Russland aufgehoben werden.
AfD-Politiker Ulrich Siegmund verteidigte den VorstoĂ gemeinsam mit den politischen Partnern des BSW. Tobias Rausch, der neue LandtagsprĂ€sident, steht ebenfalls im Zentrum der parlamentarischen Auseinandersetzung. Die ubrigen Fraktionen reagierten mit deutlicher Kritik. Von einem historischen politischen Durchbruch sprechen die Antragsteller â ihre Gegner sehen darin einen Beschluss mit begrenzter praktischer Wirkung und erheblichen auĂenpolitischen Folgen. Doch was wurde tatsĂ€chlich beschlossen, und was kann Sachsen-Anhalt uberhaupt erreichen?
Ein gemeinsamer Antrag verÀndert die MehrheitsverhÀltnisse

Der Antrag trĂ€gt den Titel âFriedensgesprĂ€che statt Ausweitung des Krieges in der Ukraineâ. Er wurde von den Fraktionen der AfD und des BSW eingebracht und am 14. Oktober mit den Stimmen beider Fraktionen angenommen.
Das politische Gewicht des Beschlusses liegt vor allem in der neuen Mehrheitskonstellation im Landtag. AfD und BSW konnten ihre Stimmen bundeln und damit einen Antrag gegen den Widerstand der ubrigen Fraktionen durchsetzen.
Fur die AfD ist das ein wichtiger parlamentarischer Erfolg. Die Fraktion kann nun zeigen, dass sie gemeinsam mit dem BSW Mehrheiten organisieren und politische Forderungen durchsetzen kann. Gleichzeitig wirft die Zusammenarbeit Fragen auf: Wie dauerhaft ist diese gemeinsame Linie? Und wird sie sich auch bei anderen politischen Themen fortsetzen?
Denn die Zustimmung zu einem auĂenpolitischen Antrag bedeutet nicht automatisch, dass beide Fraktionen kunftig in allen Bereichen zusammenarbeiten werden.
Was fordert der Friedensantrag konkret?
Der Beschluss enthÀlt mehrere zentrale Forderungen. AfD und BSW erklÀren die bisherige Politik der Sanktionen gegen Russland sowie die Waffenlieferungen und finanziellen Hilfen an die Ukraine fur gescheitert.
Sie verlangen einen sofortigen Waffenstillstand und die Aufnahme von Friedensverhandlungen mit Russland. AuĂerdem sollen die Wirtschaftssanktionen gegen Russland aufgehoben werden. Die finanzielle Unterstutzung der Ukraine soll nach ihrer Vorstellung auf humanitĂ€re Hilfe beschrĂ€nkt werden.
Die Landesregierung wird aufgefordert, sich mit den ihr zur Verfugung stehenden Mitteln fur eine entsprechende politische KursÀnderung einzusetzen. Besonders wichtig ist dabei die Forderung nach einer Initiative im Bundesrat.
Die Antragsteller stellen Diplomatie und Verhandlungen in den Mittelpunkt. Sie argumentieren, dass eine weitere militÀrische Unterstutzung den Konflikt nicht beende und Deutschland seine finanziellen Ressourcen stÀrker fur die eigenen Interessen einsetzen musse.
Diese Position ist politisch umstritten. Die entscheidende Frage lautet nicht nur, ob Verhandlungen notwendig sind, sondern auch, unter welchen Bedingungen sie stattfinden sollen und welche Folgen ein Ende der Unterstutzung fur die Ukraine hÀtte.
Ulrich Siegmund: Politik fur Deutschland
Ulrich Siegmund verteidigte den Antrag und stellte die Interessen Deutschlands in den Mittelpunkt seiner Argumentation. Seine Botschaft lautete: âWir machen nicht Politik fur Russland, wir machen nicht Politik fur die Ukraine, wir machen Politik fur Deutschland.â
Damit grenzt er die Position der AfD von den auĂenpolitischen PrioritĂ€ten der Bundesregierung und der ubrigen Fraktionen ab. Siegmund kritisiert insbesondere die finanziellen Belastungen durch die Unterstutzung der Ukraine und fordert eine stĂ€rkere Konzentration auf die wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen im eigenen Land.
Die Aussage ist zugleich eine politische Zuspitzung. Denn die anderen Parteien begrunden ihre Unterstutzung der Ukraine ebenfalls mit deutschen Interessen â allerdings mit einer anderen EinschĂ€tzung der sicherheitspolitischen Lage. Sie verweisen auf die Folgen des russischen Angriffskrieges, die Sicherheit Europas und die Bedeutung des Völkerrechts.
Der Streit dreht sich daher nicht einfach darum, wer Frieden möchte. Die Parteien unterscheiden sich vor allem bei der Frage, welche politischen Mittel zu einem dauerhaften Frieden fuhren können.

Tobias Rausch und die Rolle des LandtagsprÀsidenten
Auch Tobias Rausch steht im Zusammenhang mit der neuen politischen Situation in Sachsen-Anhalt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Als LandtagsprÀsident trÀgt er Verantwortung fur die Leitung der parlamentarischen Sitzungen und die Einhaltung der GeschÀftsordnung.
Gerade in einer politisch angespannten Situation ist diese Rolle besonders wichtig. Der PrÀsident muss dafur sorgen, dass alle Fraktionen ihre parlamentarischen Rechte wahrnehmen können und die Debatten nach den geltenden Regeln ablaufen.
Die Auseinandersetzungen um die neue Mehrheitskonstellation und die Sitzungsleitung haben bereits Kritik anderer Fraktionen ausgelöst. Vertreter von Linken und Grunen Ă€uĂerten Zweifel an der Unparteilichkeit des neuen PrĂ€sidenten. Solche Vorwurfe sind politisch ernst zu nehmen, mussen aber anhand konkreter Entscheidungen und des parlamentarischen Ablaufs bewertet werden.
Rausch ist dabei von Siegmund zu unterscheiden: Siegmund vertrat den Antrag politisch, wÀhrend Rauschs Aufgabe als LandtagsprÀsident in der Leitung des Parlaments liegt.
Heftiger Widerspruch von CDU, SPD, Grunen und Linken
Die ubrigen Fraktionen lehnten den gemeinsamen Antrag ab. Ihre Kritik richtete sich sowohl gegen die inhaltlichen Forderungen als auch gegen die ZustÀndigkeit des Landesparlaments.
MinisterprĂ€sident Sven Schulze von der CDU betonte, dass Russland den völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine begonnen habe. Im Antrag fehle aus seiner Sicht eine ausreichende Auseinandersetzung mit dieser Verantwortung. Er kritisierte auĂerdem, dass die Ukraine durch einen solchen Beschluss in ihrer VerteidigungsfĂ€higkeit eingeschrĂ€nkt wurde.
Auch die Linke widersprach deutlich. Eva von Angern bezeichnete den Antrag als âPopulismus mit einem Friedensetikettâ. Ihre Argumentation: Ein Ende der Unterstutzung fur die Ukraine wurde nicht automatisch zu Frieden fuhren und auch die wirtschaftlichen Probleme in Sachsen-Anhalt nicht lösen.
Die SPD und die Grunen verwiesen ebenfalls auf die Verantwortung Russlands und die Bedeutung der Unterstutzung der Ukraine. Damit wurde deutlich, dass die Auseinandersetzung nicht nur um einzelne MaĂnahmen geht, sondern um unterschiedliche Vorstellungen von Sicherheit, Diplomatie und internationaler Verantwortung.
Kann Sachsen-Anhalt Waffenlieferungen und Sanktionen tatsÀchlich stoppen?
Hier liegt ein entscheidender Punkt, der in zugespitzten Darstellungen hÀufig untergeht: Der Beschluss des Landtags beendet weder deutsche Waffenlieferungen noch kann er eigenstÀndig die Russland-Sanktionen der EuropÀischen Union aufheben.
Waffenlieferungen und ein groĂer Teil der finanziellen Unterstutzung der Ukraine fallen in die ZustĂ€ndigkeit des Bundes. Die Wirtschaftssanktionen beruhen uberwiegend auf Entscheidungen der EuropĂ€ischen Union. Ăber ihre VerlĂ€ngerung oder Aufhebung entscheiden die Mitgliedstaaten im EuropĂ€ischen Rat grundsĂ€tzlich einstimmig.
Sachsen-Anhalt verfugt dort nicht uber eine eigene Stimme. Auch der Landtag kann keine auĂenpolitischen Entscheidungen treffen, die unmittelbar fur die gesamte Bundesrepublik oder die EU verbindlich wĂ€ren.
Der Beschluss ist deshalb vor allem eine politische Aufforderung an die Landesregierung. Sie soll prufen, wie sie die geforderte KursÀnderung auf Bundesebene einbringen kann. Ob daraus weitere Schritte entstehen, ist eine andere Frage.
Das bedeutet nicht, dass der Beschluss politisch bedeutungslos wĂ€re. Er dokumentiert eine parlamentarische Mehrheit fur eine bestimmte auĂenpolitische Position und kann die Debatte auf Landes- und Bundesebene beeinflussen. Seine unmittelbare rechtliche Wirkung bleibt jedoch begrenzt.
Warum die Abstimmung bundesweit Aufmerksamkeit erhÀlt
Die Annahme des Antrags ist auch deshalb bemerkenswert, weil AfD und BSW in einer zentralen auĂenpolitischen Frage gemeinsam abgestimmt haben. Beide Parteien vertreten unterschiedliche politische Profile, fanden hier aber eine gemeinsame Grundlage.
Fur die AfD zeigt die Abstimmung, dass sie mit einer anderen Fraktion parlamentarische Mehrheiten erreichen kann. Das BSW wiederum kann auf einen konkreten Beschluss verweisen, der seine Forderung nach einer stÀrkeren diplomatischen Ausrichtung der Ukrainepolitik aufgreift.
Gleichzeitig wird die Zusammenarbeit kritisch betrachtet. Gegner fragen, ob die gemeinsame Initiative tatsÀchlich einen Beitrag zu einer Friedenslösung leisten kann oder vor allem ein politisches Signal darstellt.
Auch die Reaktionen auĂerhalb des Landtags zeigen, wie unterschiedlich der Beschluss bewertet wird. WĂ€hrend die Antragsteller ihn als friedenspolitischen VorstoĂ prĂ€sentieren, kritisieren andere Stimmen, dass die Ukraine dadurch unter zusĂ€tzlichen Druck geraten könnte.
Frieden: Ein gemeinsames Ziel, unterschiedliche Wege
In der Debatte wurde deutlich, dass keine der beteiligten Parteien einen Krieg als wunschenswertes Ziel bezeichnet. Der eigentliche Konflikt liegt in der Frage, wie ein Ende der KĂ€mpfe erreicht werden kann.
AfD und BSW setzen auf einen sofortigen Waffenstillstand, Verhandlungen und ein Ende der Sanktionen. Ihre Kritiker halten dagegen, dass ein solcher Schritt die Ukraine zu ZugestÀndnissen zwingen und die Folgen des russischen Angriffs unzureichend berucksichtigen könnte.
Ein Waffenstillstand allein garantiert zudem noch keinen dauerhaften Frieden. Dafur mussten Vereinbarungen getroffen werden, die von den beteiligten Seiten akzeptiert und eingehalten werden. Fragen nach Sicherheitsgarantien, territorialen Anspruchen und der Zukunft der Ukraine blieben in der politischen Auseinandersetzung zentral.
Die Debatte in Magdeburg zeigt damit ein grundlegendes Dilemma europĂ€ischer AuĂenpolitik: Wie kann Diplomatie gestĂ€rkt werden, ohne die Sicherheit eines angegriffenen Staates zu gefĂ€hrden?
Ein parlamentarischer Erfolg mit begrenzter Wirkung
Der gemeinsame Antrag von AfD und BSW wurde tatsÀchlich angenommen. Das ist ein dokumentierter parlamentarischer Vorgang und ein wichtiges Signal fur die neue politische Mehrheitskonstellation in Sachsen-Anhalt.
Von einem unmittelbaren Stopp der Waffenlieferungen oder einer Aufhebung der Russland-Sanktionen kann jedoch keine Rede sein. Dafur fehlen dem Landtag die entsprechenden ZustÀndigkeiten. Der Beschluss fordert die Landesregierung vielmehr dazu auf, sich auf anderen politischen Ebenen fur einen Kurswechsel einzusetzen.
Die politische Auseinandersetzung wird damit weitergehen. Fur AfD und BSW ist die Abstimmung ein gemeinsamer Erfolg. CDU, SPD, Grune und Linke sehen darin dagegen einen problematischen auĂenpolitischen VorstoĂ.
Die entscheidenden Fragen bleiben: Wird die Landesregierung tatsĂ€chlich eine Initiative im Bundesrat anstoĂen? Kann die Zusammenarbeit von AfD und BSW uber diesen Antrag hinaus Bestand haben? Und welche Folgen hĂ€tte die geforderte Ănderung der Ukrainepolitik fur die Sicherheit Europas?
Der Beschluss aus Magdeburg liefert darauf noch keine abschlieĂenden Antworten. Er macht aber deutlich, wie stark die auĂenpolitische Debatte inzwischen auch die Landesparlamente erreicht hat.



