„Ich bin es einfach leid, dass nur schlecht geredet wird“: Merz fordert von den Deutschen Optimismus ein.TA
Merz macht Spahns späte und unabgestimmte Kommunikation über seine Elternschaft für die Eskalation der Debatte und den anschließenden Rücktritt mitverantwortlich und sieht dadurch die Glaubwürdigkeit der Union beschädigt. Zugleich weist er pauschale Kritik am Land zurück und fordert mehr Optimismus ein.

Nach dem überraschenden Rücktritt von Jens Spahn als Vorsitzender der Unionsfraktion hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz kritisch zur internen Kommunikation im Vorfeld der öffentlichen Bekanntgabe geäußert. Im Zentrum steht dabei der Umgang Spahns mit der Information über seine Elternschaft durch eine Leihmutter in den USA, die politisch und medial erhebliche Reaktionen ausgelöst hatte.
Merz machte deutlich, dass innerhalb der Partei kaum Zeit bestanden habe, die Angelegenheit vorab zu besprechen. „Wir hatten ja alle kaum Gelegenheit, mit ihm darüber zu sprechen. Er hat ja auch die Partei und die Fraktion erst sehr, sehr spät über das alles informiert.“ Zwar habe Spahn den Kanzler persönlich noch kurz zuvor eingeweiht, doch sei diese Information auf Wunsch Spahns zunächst nicht weitergegeben worden. „Ich bin seinem Wunsch gefolgt und habe ihm die Kommunikation überlassen.“ Über konkrete Pläne zur Veröffentlichung habe es dabei keine Abstimmung gegeben.
Die öffentliche Bekanntmachung erfolgte schließlich über die „Bild“-Zeitung. Spahn und sein Ehemann Daniel Funke teilten dort mit, mithilfe einer Leihmutter Eltern geworden zu sein. Die darauffolgende Debatte entwickelte sich schneller und intensiver als offenbar erwartet. Merz räumte ein, dass das Ausmaß der Reaktionen unterschätzt worden sei: „zumindest nicht in diesem Umfang“. Als mögliche Gründe nannte er neben der sensiblen Thematik auch die Person Spahns selbst sowie die Art der Kommunikation: „Und da hat es dann ziemlich viel Empörung gegeben.“
Im ZDF-Sommerinterview, das nur wenige Stunden nach dem Rücktritt aufgezeichnet wurde, stellte der Kanzler zudem einen Zusammenhang zwischen der entstandenen Kritik und der Glaubwürdigkeit der Union her. Der daraus resultierende Handlungsdruck sei schnell deutlich geworden, was letztlich zu diesem politischen Schritt geführt habe. Eine persönliche Verteidigung Spahns blieb jedoch aus. Stattdessen verwies Merz darauf, dass die Dynamik auch mit dessen öffentlicher Wahrnehmung zusammengehangen habe: „Es hatte wahrscheinlich auch was mit seiner Person zu tun“, so Merz.
Mit Blick auf seine erste Reaktion schilderte Merz, dass für ihn zunächst das Kind im Mittelpunkt gestanden habe. „Ich habe dem Kind viel Glück gewünscht und habe mir gedacht: Na ja, hoffentlich geht er kommunikativ damit gut um und erklärt es gut.“ Gleichzeitig betonte er erneut den Zeitdruck, der eine interne Abstimmung erschwert habe.
Über den konkreten Anlass hinaus richtete sich der Blick im Interview auch auf mögliche personelle Konsequenzen innerhalb der Bundesregierung. Auf die Frage nach einem umfassenderen Umbau reagierte Merz zurückhaltend, ließ jedoch Spielraum für künftige Veränderungen: „Sie sprechen im Konjunktiv, richtigerweise, es könnte eine Gelegenheit sein.“ Später ergänzte er: „Es könnte eine Gelegenheit sein, noch einmal über die Aufstellung der Bundesregierung nachzudenken.“ Zunächst stehe jedoch die Neubesetzung des Fraktionsvorsitzes im Vordergrund.
Darüber hinaus äußerte sich der Kanzler grundsätzlich zur politischen Stimmung im Land und wies pauschale Negativdarstellungen zurück. „Ich bin es einfach leid, dass nur schlecht geredet wird über Deutschland“, sagte er und verwies auf wirtschaftliche Dynamik und gesellschaftliche Potenziale. Zugleich hielt er an der Forderung fest, die gesamtwirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu steigern.


